7 Tage in Nepal – Eintauchen ins Himalaya Saturday, Jan 28 2012
Auswärts 1:04 pm
Wir sind auf Reiseflughöhe bei etwa 8000m und neben uns türmen sich die Berge auf. Ich tauche ein in die Welt des Himalaja. Langsam schrauben wir uns nach unten in das Kathmandu-Tal. Die Hauptstadt Nepals ist von Bergen umkreist. Der Flughafen kann nicht in einer Geraden angeflogen werden. Auf den Bergspitzen direkt unter und neben uns kann ich die ersten Häuser erkennen, bzw. schon hineinschauen.
Die ersten Wohnhäuser im Tal erscheinen und damit erreichen wir die Außenbezirke von Kathmandu. Die meisten sind schmucklose, zweigeschössige Betonkästen, wie man sie überall auf der Welt findet, wo gespart werden muss. Befestigte Straßen sucht man dazwischen vergebens. Lehmige Pisten verbinden das Ganze. Die Landung ist gewöhnlich.
Interessanter wird da schon die Passkontrolle. Hier wird getrennt nach Nepalesen und Fremden. Bei beiden Schlangen Menschenansammlungen wird danach noch nach “mit Visa” und “gewöhnliches Visa” unterschieden. ?!? Der Mexikaner und die Russin, mit denen ich mich bereits vor dem Abflug unterhalten hatte, stellen sich bei “Nepalesen mit Visa” an. Ich geh mal mit. Die Russin erkennt das Verfahren hier am schnellsten. Einfach immer irgendwie nach vorne durchsuppen, bis man dran ist. Zwei Franzosen stehen verwirrt in der Menge. Mein Französisch ist so schlecht, dass man es als solches nicht bezeichnen sollte, aber ich verstehe doch noch sehr gut, dass einer der beiden sich darüber aufregt, dass wir Amerikaner uns nicht gescheit anstellen können. Ich sage zu ihm, dass er sich nicht aufregen soll, sondern einfach gleichmäßig weiter gehen. Passt ihm auch nicht. Kann man nix machen. Ich arroganter Ami geh dann mal weiter.
Nepalesen sprechen nicht deutlicher Englisch als Inder. Ich verstehe absolut nichts von dem, was mich der gute Mann an der Passkontrolle fragt. Ich zucke nur mit den Schultern und er gibt auf und stempelt alles brav ab.
Aus dem Flughafen raus kommen die üblichen Aufschwätzversuche der Taxifahrer. Ich verweise darauf, dass ich einen Fahrer haben und einer von ihnen zeigt mir den Weg zu der Wand an Menschen, die alle ein Schild hochhalten, auf dem der Namen dessen steht, den sie abholen sollen. Nach etwas Sucherei finde ich dann auch meinen Namen.
Wir steigen in einen alten Toyota und starten in das Gewühl von Kathmandu. Hier wuselt alles durcheinander auf der Straße umher: Rikschas, Mopeds, Fahrräder, Fußgänger alleine, Fußgänger mit Ziegen, Fußgänger mit Lasten auf dem Rücken, lustig bunte Busse, LKW bei denen die Ladung zu allen Seiten runterhängt und Diverse PKW-ähnliche Gebilde. Die Verkehrsregeln sind leicht erklärt: Linksverkehr, meistens. Das war’s. Ansonsten herrscht hier Anarchie. Da wird gehupt, was das Zeug hält und kreuz und quer gefahren, überholt und überquert. Bei uns in Deutschland hieß das nicht Straße, sondern Mischfläche.
Wie die Straße, so auch die Häuser. Alles durcheinander, geflickt, verbastelt und kaputt. Sehr interessant ist auch die Verkabelung hier. Passend zum Rest hängt hier alles drunter und drüber und wird in großen Knäueln an alles zusammengestrickt, woran man Kabel auch nur irgendwie anhaften kann.
Wir biegen zum x-ten Mal in der Stadt ab und mein Fahrer sagt plötzlich „So, jetzt sind wir auf dem Highway“ – logischerweise nicht auf Deutsch. Hier sieht es kein Stück besser aus, als auf den anderen Straßen. Genau genommen, erkenne ich keinen Unterschied. Der Highway schlängelt sich etwa 5m breit durch die Stadt immer höher. Ein Blick aufs Handy verrät mir, dass wir jetzt von 1200m auf etwa 1600m gefahren sind, als wir den Pass aus dem Kathmandutal erreichen. Hier endet tatsächlich auch die Stadt. Was bleibt ist der Müll am Straßenrand. Lehmhütten und Holzbaracken stehen auch hier noch zu genüge herum. Ähnlich wie ich das aus Nigeria, Haiti oder anderen sehr armen Ländern kenne, versucht man hier offene Lebensmittel und sonstige Güter des täglichen Bedarfs an den Mann oder die Frau zu bringen.
Der Highway ist das eigentliche Erlebnis dieser Reise. Es ist die einzige Straßenverbindung von Kathmandu hinunter ins Tiefland und von dort nach Indien. Wir wollen ihm für „nur“ 160km folgen bis wir auf 250 Höhenmetern den Dschungel erreichen. Jedoch wollen sehr viele diese Strecke fahren. LKW an LKW, Bus an Bus. Wobei man nicht von „an“ reden sollte, lieber von „neben“ oder „um“. Da wird auf der kompletten Strecke gedrängelt, gehupt und gequetscht. Dazwischen immer wieder Fußgänger und Radfahrer. Die Straße ist zwar nur 5m breit, was aber niemanden davon abhält, auch wenn gerade zwei Laster nebeneinander entgegenkommen oder in einer Kurve, zu überholen. Und ein bis zwei Motorräder passen auch noch dazwischen. Einfach laut hupen und durch. Apropos Kurve, ich habe keine Gerade gesehen, die länger war als 100m und die meisten Kurven waren so eng, dass man dort nur 20kmh rumkommt. Das macht der Nepalese natürlich im 4. Gang, da er ja gerade am überholen ist. Ich sehe die Lichter des Gegenverkehrs auf uns zukommen. Mein Fahrer blendet auf, der Gegenverkehr auch. Ich seh nichts mehr, da die Windschutzscheibe von innen mit Yakbutter oder ähnlichem beschichtet ist. Ich kann mich nur erinnern, dass es neben der Straße gefühlte 300m oder mehr den Hang hinunter ging. Mit losen Steinen geschützt, sonst nix. Ich schließe die Augen und frage mich, ob der Gute rechts neben mir nicht vielleicht doch mal runterschalten will, damit wir etwas schneller an dem LKW vorbei kommen. Lautes Gehupe. Ich höre den Gegenverkehr sehr dicht an uns vorbeirauschen. Dieses Spielchen mache ich jetzt mehrmals pro Minute für die nächsten 6 Stunden mit, denn so lange dauert die Fahrt. Einzig der Charakter des Chaos variiert gelegentlich. Schön finde ich es auch, wenn mitten im Überholvorgang bei Gegenverkehr der Asphalt aufhört, wir eine Vollbremsung machen und langsam den Toyota in den Dreck hinunter gleiten lassen. Ein paar mal setzt er auf. Meine Migräne verstärkt sich zusätzlich durch das ständige Geblinke des USB-Sticks im Autoradio. Ich gebe mir einen Ruck und beschließe, einfach die Augen zu schließen. Mir ist egal, was da draußen passiert. Schade nur, dass ich von Nepal jetzt nicht mehr viel sehe. Aber es ist jetzt eh dunkel.
Dort, wo wir ankommen, ist es das auch. Lediglich das Hotel ist beleuchtet. Die Stadt hat etwa 100.000 Einwohner und ist zappenduster. Gute Nacht.















