Liveblog: Oradea, Transilvania, Romania – Teil 2 Sunday, Nov 25 2007
Auswärts 3:32 pm
Raus aus dem Mäckes Richtung Fußgängerzone höre ich ganz merkwürdige Musik.
Das Instrument kommt mir nicht bekannt vor. Nach ein paar Schritten seh’ ich
es dann. Eine alte Zigeuner Frau lehnt an einem Zaun und bläst Brotpapier
welches sie über einen Kamm gespannt hat. Jeder tut in der Marktwirtschaft
eben das, was er kann. Eigentlich weiß ich heute auch nicht, was ich hier
suche. Ich stelle hier und da mein Stativ auf und ernte damit fragende
Blicke. Als Einwohner sieht man ja meistens die hässlichen Dinge seiner
Stadt. Kennen wir von Kassel ja nicht anders. Des Laufens und Guckens bereits
etwas müde und eigentlich schon auf dem Heimweg befindlich, komme ich an
einer Art Kneipe oder Restaurant vorbei. Alles in Holz gehalten und hübsch
dekoriert direkt an einer Fußgängerbrücke über den örtlichen Bach gelegen
befindet sich das “Bridge”. Eigentlich eine Pizzeria hat es jedoch eine sehr
schöne und lange Theke, die mich zum Bier einlädt. Jetzt weiß ich auch
wieder, was ich hier eigentlich suchte. Die viereckigen, hohen Thekenhocker
aus Eiche waren zwar nicht sehr bequem, da sich die kannte schnell ins
Fleisch meiner Beine fraßen, jedoch gibt es hier kostenlos Internet via WLAN.
An dieser Stelle vergesse ich schnell sämtliches Gelächter über die Größe
meine Handys. Die meisten Leute wissen es ja gar nicht zu schätzen, was es
bedeutet, WLAN und Fring im Handy zu haben: Kostenlose Telefonate aus
rumänischen Kneipen nach Deutschland übers Internet. Fring kann sowohl Skype
als auch SIP. Und dann wundern sich immer alle, warum ich eine Kasseler
Vorwahl habe, obwohl ich mich mal wieder sonstwo befinde.Bergenbier heißt der
gute Stoff, den ich beim Telefonieren genieße. Ich nehme an, er kommt aus
Siebenbergen von den Siebenberger Sachsen. Dazu kann man ne Menge bei
Wikipedia lesen, wie hier in Transilvanien einst die Deutschen angesiedelt
wurden. Das Bergenbier schmeckt eigentlich recht gut. Ich vermute auch mehr,
dass es mehr daran lag, dass es das erste war, was ich an diesem Tag trank,
weshalb ich bereits nach dem zweiten Kopfschmerzen bekam. Zum Glück war es
nicht mehr weit zum Hotel. Also noch schnell den ersten Teil des Liveblogs
hochgeladen und ab ins Bett. Um 4:30 wird der Wecker klingeln.
So richtig recht war es der Dame vom Hotel wohl nicht, dass ich ihr bereits
eine Stunde vor Frühstücksbeginn etwas vom Buffet stahl. Beim auschecken
musste ich auch leider feststellen, dass das langsame Internet auf dem Zimmer
mit immerhin 28k8 gar nicht kostenlos war. Hätte ich das vorher gewusst,
hätte ich mir auch einen Voucher für den WLAN-DSL-Zugang gekauft. Hilft jetzt
auch nix mehr. Hatte ich also mehr fürs Internet als fürs Essen hier
ausgegeben.
Der Flughafen von Oradea ist einfach der Hammer. Ein kleiner mobiler
Check-In-Counter, von dem man sein Gepäck wieder selbst mitnimmt und
gegenüber bei der Grenzkontrolle abgibt die durchleuchten es gleich und die
meisten Leute musste dann auch gleich ihre Koffer öffnen. Man gehört ja jetzt
zur EU und ich könnte mir vorstellen, dass die Rumänen auch Schengen
beitreten wollen. So auch ich mit meinem Werkzeugkoffer. Ich frage mich
jedoch immer, was die eigentlich suchen, wenn ihnen die vielen Platinen bei
mir schon nicht komisch genug vorkommen. Nevermind…
Man soll es kaum glauben, aber die haben hier tatsächlich nicht nur Propeller
Maschinen. Von Timisoara nach Düsseldorf sitzen wir in einer ausgewachsenen
Fokker 100. Nur das Triebwerk knartscht beim Anlassen. In etwa einer Stunde
werde ich in Düsseldorf landen und von dort mit Zafira-Airways nach
Niedervellmar fliegen. Soweit der Pott das zulässt.

