Liveblog: Oradea, Transilvania, Romania – Teil 2 Sunday, Nov 25 2007 

Raus aus dem Mäckes Richtung Fußgängerzone höre ich ganz merkwürdige Musik.
Das Instrument kommt mir nicht bekannt vor. Nach ein paar Schritten seh’ ich
es dann. Eine alte Zigeuner Frau lehnt an einem Zaun und bläst Brotpapier
welches sie über einen Kamm gespannt hat. Jeder tut in der Marktwirtschaft
eben das, was er kann. Eigentlich weiß ich heute auch nicht, was ich hier
suche. Ich stelle hier und da mein Stativ auf und ernte damit fragende
Blicke. Als Einwohner sieht man ja meistens die hässlichen Dinge seiner
Stadt. Kennen wir von Kassel ja nicht anders. Des Laufens und Guckens bereits
etwas müde und eigentlich schon auf dem Heimweg befindlich, komme ich an
einer Art Kneipe oder Restaurant vorbei. Alles in Holz gehalten und hübsch
dekoriert direkt an einer Fußgängerbrücke über den örtlichen Bach gelegen
befindet sich das “Bridge”. Eigentlich eine Pizzeria hat es jedoch eine sehr
schöne und lange Theke, die mich zum Bier einlädt. Jetzt weiß ich auch
wieder, was ich hier eigentlich suchte. Die viereckigen, hohen Thekenhocker
aus Eiche waren zwar nicht sehr bequem, da sich die kannte schnell ins
Fleisch meiner Beine fraßen, jedoch gibt es hier kostenlos Internet via WLAN.
An dieser Stelle vergesse ich schnell sämtliches Gelächter über die Größe
meine Handys. Die meisten Leute wissen es ja gar nicht zu schätzen, was es
bedeutet, WLAN und Fring im Handy zu haben: Kostenlose Telefonate aus
rumänischen Kneipen nach Deutschland übers Internet. Fring kann sowohl Skype
als auch SIP. Und dann wundern sich immer alle, warum ich eine Kasseler
Vorwahl habe, obwohl ich mich mal wieder sonstwo befinde.Bergenbier heißt der
gute Stoff, den ich beim Telefonieren genieße. Ich nehme an, er kommt aus
Siebenbergen von den Siebenberger Sachsen. Dazu kann man ne Menge bei
Wikipedia lesen, wie hier in Transilvanien einst die Deutschen angesiedelt
wurden. Das Bergenbier schmeckt eigentlich recht gut. Ich vermute auch mehr,
dass es mehr daran lag, dass es das erste war, was ich an diesem Tag trank,
weshalb ich bereits nach dem zweiten Kopfschmerzen bekam. Zum Glück war es
nicht mehr weit zum Hotel. Also noch schnell den ersten Teil des Liveblogs
hochgeladen und ab ins Bett. Um 4:30 wird der Wecker klingeln.
So richtig recht war es der Dame vom Hotel wohl nicht, dass ich ihr bereits
eine Stunde vor Frühstücksbeginn etwas vom Buffet stahl. Beim auschecken
musste ich auch leider feststellen, dass das langsame Internet auf dem Zimmer
mit immerhin 28k8 gar nicht kostenlos war. Hätte ich das vorher gewusst,
hätte ich mir auch einen Voucher für den WLAN-DSL-Zugang gekauft. Hilft jetzt
auch nix mehr. Hatte ich also mehr fürs Internet als fürs Essen hier
ausgegeben.
Der Flughafen von Oradea ist einfach der Hammer. Ein kleiner mobiler
Check-In-Counter, von dem man sein Gepäck wieder selbst mitnimmt und
gegenüber bei der Grenzkontrolle abgibt die durchleuchten es gleich und die
meisten Leute musste dann auch gleich ihre Koffer öffnen. Man gehört ja jetzt
zur EU und ich könnte mir vorstellen, dass die Rumänen auch Schengen
beitreten wollen. So auch ich mit meinem Werkzeugkoffer. Ich frage mich
jedoch immer, was die eigentlich suchen, wenn ihnen die vielen Platinen bei
mir schon nicht komisch genug vorkommen. Nevermind…
Man soll es kaum glauben, aber die haben hier tatsächlich nicht nur Propeller
Maschinen. Von Timisoara nach Düsseldorf sitzen wir in einer ausgewachsenen
Fokker 100. Nur das Triebwerk knartscht beim Anlassen. In etwa einer Stunde
werde ich in Düsseldorf landen und von dort mit Zafira-Airways nach
Niedervellmar fliegen. Soweit der Pott das zulässt.

Liveblog: Oradea, Transilvania, Romania Thursday, Nov 22 2007 

Da ihr alle gemeckert habt, biete ich euch nun etwas ganz neues: Das
Liveblogging. Vor vielen Jahren war ich mal der Meinung, unbedingt einen
Psion haben zu müssen. Eigentlich kann das Ding nicht mehr, als ein modernes
Handy. Allerdings hat es eine gescheite Tastatur und einen recht lang
haltenden Akku in Form von Mignon-Zellen. Es ist die ideale, mobile
Reiseschreibmaschine.
Ich bin auf dem Weg nach Rumänien und sitze im Flieger am Flughafen
Düsseldorf.
Ich liebe Propeller-Maschinen. Das hat immer was von Indiana Jones. Zum
starten musste ich kurz aufhören zu schreiben. Jetzt sind wir oben und ich
genieße noch kurz den Blick auf den Pott von oben. In der Ferne erkennt man
drei größere Anlagen, über denen Rauchschwaden stehen. Gibt es hier
eigentlich Kernkraftwerke? – RUMS – Wir durchfliegen die Wolkendecke. Ach ja,
wir sind ja in Deutschland. Da ist es eigentlich immer wolkig.
Das Schöne am Psion ist ja, das man auch direkt reinzeichnen kann.

Oh, es gibt essen. Wie soll man auch damit rechnen. Gibt’s ja heute kaum
noch. Lecker gammeliges, fritiertes Huhn-Zeuch und Reis.
Irgendwie muss ich grad an Terminal denken, wie er in seinem Blog von seinem
ersten Flug geschrieben hat. Vom Schub beim Start. Ja, der Start ist schon
irgendwie das geilste beim Fliegen. Wobei ich Turbolenzen ebenso faszinierend
finde. Der einzige Wermutstropfen: sie kommen immer beim Essen. Das ist jetzt
mein 86. Flug und es war immer so. Kaum hast du etwas vor dir stehen, den
Kaffee und das Bier eingeschenkt, sackt das Flugzeug 100m ab. Besonders Spaß
machen Turbolenzen in kleinen Flugzeugen, wie dieser Saab 2000 oder der
Embraer 145, mit der ich letzte Woche nach Irland geflogen bin.Wenn ich so
raus schaue, frage ich mich gerade, ob wir heute überhaupt über den Wolken
oder nicht vielleicht doch in ihnen fliegen. Es ist einfach nur grau.10
Minuten sind jetzt vergangen und ich sehe am Horizont Berge, schneebedeckt.
Ob das die Alpen sind? Oder noch was kleineres davor? Es liegt auf jeden fall
Schnee. Und die Karpaten kommen erst noch.
Eigentlich kann es auf dieser Reise nicht langweilig werden. Ich hab den
Psion mit, zwei neue Bücher (das zweite noch schnell vorm Start aber schon im
Flieger online als Ebook gekauft und runtergeladen), nur mein GPS hab ich
vergessen und das obwohl ich schon wusste, dass es in Oradea Caches gibt
Naja, ich werd das je nach Zeit auch so hinbekommen. Wäre ja nicht das erste
Mal.
Ich glaube, es sind doch die Alpen. Hab gerade mal aus dem anderen Fenster
schauen können. Da sind sie viel höher. Vom Stand der Sonne würd ich sagen,
dass wir gerade nach Osten fliegen. Rechts von uns scheinen die Alpen zu
liegen. Wir werden wohl gerade über Ösiland fliegen. Das Drehkreuz der
Carpatair, der die Maschine gehört, befindet sich in der Hauptstadt von
Transilvanien, Timisoara. Von dort werde ich noch einen Anschlussflug nach
Oradea im Nordwesten des Landes haben, dich an der Grenze zu Ungarn. Dahinter
befindet sich gleich Debreçen. Da war ich 1988 mal, zu Ostern. Ich weiß noch
als wär es heute, da bekamen die Frauen immer Parfum in die Haare gesprüht
von allen Passanten. Das hat schon etwas gestunken. Verwendet ja nicht jeder
den neuesten Calvin Klein Duft. Zumal das vor der Wende war.
Ich bekomme einen Pickel hinterm Ohr. Ich finde, ihr solltet das wissen.
Schade, dass die gescheite Kamera im Koffer ist. Die Berge hier sehen immer
beeindruckender aus. Mit dem Handy machen Fotos aus dem Flugzeug allerdings
wenig Sinn.

Der Flughafen in Oradea ist wie erwartet sehr klein. So stell ich mir das
vor, wenn man am jetzigen Flughafen in Calden landet. Die Landung war nicht
sehr sanft, weil dieser Pilot nicht wieder umdrehen wollte, mitten auf der
Landebahn, und direkt zum Terminal abbog.
Direkt hinter der Passkontrolle teilt sich der Weg in zwei: “Customs to
declare” und “nothing to declare”. Ja schön, aber ich hab meine Koffer doch
noch gar nicht. Irgendwie bleiben auch die meisten hier stehen und schlendern
so umher. Plötzlich geht das Fenster zum Rollfeld hin auf wie eine Ladentheke
und von draußen werden unsere Koffer reingereicht.
Ich schließe den Tag mit einem Bummel durch die Innenstadt. Da sich im Hotel
meine Mignon Akkus als defekt beim Ladegerät melden, beschließe ich hier
erstmal diese gegen neue auszutauschen, was hier ja nicht zu teuer sein
sollte. 800m die Haupstraße entlang finde ich dann auch ein relativ großes
Kaufhaus mit integriertem McD. Mal für später merken. Hier beginnt auch die
Fußgängerzone. Zwischen viel grau und Glas. Dreck und Leuchtreklame finden
sich die gleichen Vodafone-Shops und H&Ms wie auch in jeder bayerischen
Kleinstadt. Dazwischen immer wieder sehr schmucke, alte Gebäude, die ich dem
öffentlichen Leben zuordne. Ich suche mir einen guten Standpunkt, um die
Bibliothek zu fotografieren und biege in eine kleine Seitenstraße ab, die
mich direkt ans Flußufer bringt. Aus dem Dunkel tritt plötzlich eine kleine
Gestalt mit langen Haaren auf mich zu und spricht mich auf Rumänisch an
“###?###?????####????”. Als sie näher kommt, erkenne ich, dass die Gestalt
irgendwie wie ein Mädchen aussieht, nur mit faltiger, gegerbter Haut. Ich
ahne was sie will “Sorry!?” – “You want sex?” Ja, nee, war ja klar. Lass ma
stecken, denk ich mir und schüttel den Kopf. Ich gehe einen Schritt weiter,
als mich von der anderen Seite jemand am Arm packt. Ich dreh mich rum und
schaue auf die antike Möblierung im Gebiss einer vermeintlichen
Zwillingsschwester der Gestalt. Ich glaube, es sollte ein Lächeln sein. “Fuck
me! Fuck me!” ruft sie und leckt sich über die Lippen. Eigentlich sah die
Bibliothek von der Hauptstraße doch besser aus. Also nichts wie hin da.
Nach ca. 30 Stunden Arbeit mit nur 4 Stunden Pause sitze ich gerade im McD
Oradea, Ronald McDonald ist auch da. Die Rumänen lassen sich schon was
einfallen, um zukünftige Kundenkreise zu erschließen. Auf Seite steht eine
Bühne, darauf ein Clown der hier bei lauter Dancofloor-Musik die Kinder
unterhält. Im Moment hüpfen hier alle zu Mambo No 5.  Desweiteren hab ich
eben einen Royal Deluxe gegessen Dabei handelt es sich um so etwas wie nen
Royal TS, allerdings schmeckt es hier etwas frischer. Die Gurken schmecken
wie selbst gezüchtet und knacken richtig beim Beißen. Jetzt hab ich hier die
Schreiberei der Vortage hier auch erledigt, dass sogar Ronald mittlerweile
gegangen ist. Das werde ich jetzt auch tun. Heute hab ich mein Stativ mit,
damit kann man die Bibliothek und andere Gebäude viel besser knipsen. Morgen
Früh ist dann Heimflug.

Bilder folgen

Diekuhlie Fumdenteich – Teil 1 Wednesday, Nov 14 2007 

Ihr wisst sicherlich, dass ich immer mal wieder sehr blöde Ideen hab. Leider kommt es das eine oder andere schonmal vor, dass ich mein Wort halte. Es war wohl irgendwann diesen Sommer, als ich zu Carsten sagte: “Hey da gibts es einen Wanderweg um den Edersee, an dem die Geocaches aufgereiht liegen, wie auf einer Perlenkette. Lass uns den mal ablaufen!”

Carsten und ich sind da wohl eher untrainiert. Wer meine Figur kennt, der weiß, dass ich nicht gerade der Typ bin, der Soldatenmärsche aus dem Ärmel schüttelt. Der Urwaldsteig-Edersee ist halt nun mal 68km lang. Das bereitete auch Carsten einen Schrecken. Bis dahin hatte ich ihm aber noch nichts von den ca. 3800 Höhenmetern erzählt, die dabei zu bezwingen sind. Da wir immer etwas busy sind, war von vornherein immer nur die Rede von einem Wochenende, an dem das Vorhaben zu erledigen sei. Nach mehrmaligem Hin und Her bestand die Gruppe am Ende aus drei Leuten. Neben Carsten und mir ging auch noch Steffen ins Rennen. Steffen gehört in meinen Augen eher zu den Trainierten, da er doch schon des öfteren mit dem Rad durch den Harz fährt.

Freitag den 6.10.2007 trafen wir uns abends um 8 bei mir und fuhren richtung Asel. Die Wettervorhersage hatte eine regen- und wolkenfreies Wochenende vorhergesagt mit Temperaturen von tagsüber 18° und nachts an die 3°. Carsten und ich hatten uns die Wochen vorher eine solche Materialschlacht in diversten Outdooraustattern vor Ort und im Internet gegeben, dass uns die Nacht nicht schrecken sollte.

Abends saßen wir im Gasthaus Sauer in Asel, wo wir auch die Nacht auf Samstag verbringen wollten. In 2 Tagen den Urwaldsteig laufen, sei doch etwas naiv oder sehr mutig, sagte man uns und lachte uns aus. Trainierte liefen es in 3 Tagen. 3 Tage hatte wir nicht Zeit, so ging es Samstag in aller Herrgottsfrühe los.

Aus Asel raus, die Straße runter zum See, an Adolf Hilles Grab vorbei stießen wir auf den Steig und gleich den ersten Cache. Steffen wollte Sonntagabend daheim noch was für die Arbeit vorbereiten, ich wollte cachen, Steffen hatte es da etwas eiliger. Carsten war’s, der hier immer wieder unser Tauziehen mit guter Laune übertunchte.
Leicht ging es bergan, man merkte es kaum. Doch als wir beim zeiten Cache zum stehen kamen, war der See doch sehr weit unter uns. Der Knorreichenstieg zwischen Asel und Scheid war der Auftakt. Wie ein kleiner alpiner Bergpfad schlängelt er sich durch die Wildnis. Alle paar hundert Meter veränderte sich das Landschaftsbild völlig. Ich kann diese Ecke auch denen empfehlen, die mal nur mal ein wenig gehen wollen.

Weil ich schreibfaul bin, erzähl ich euch im nächsten Teil, wieviele km wir geschafft haben, ob wir geschummelt haben, wie weit das Wasser reichte und wie schnell sich neue Produkte verbreiten, wenn sie denn gut sind.

Mein Weblock Wednesday, Nov 14 2007 

(14.11.2007 17:19:00) Terminal: hallo. ich bins, dein blog. ja, genau ich. fütter mich! sofort! zackig. schreib übers essen, das wetter. irgendwas. nu tu doch was!
(20:55:44) Robin: ja ja
(20:55:51) Robin: ich hatte keinen laptop
(20:56:07) Terminal: die ausrede ist cool ;o)

Da ist mir doch das Display meines Thinkpads abgeraucht. Gleich ma ein gebrauchtes bei Ebay in den USA gekauft. Alles gestestet. 18.-€ Zoll bezahlt und jetzt ist es entschieden besser: