Just a normal day – part II Tuesday, Jun 15 2010
Uncategorized 7:59 am
Ich war noch nicht ganz beim Kunden, als mein Handy klingelte. Es gibt da ein
weiteres Problem, was nur durch geschultes Fachpersonal wie mich gelöst
werden kann, in Eschwege. Ich setze den Termin vorsichtshalber auf den
nächten Tag zwischen 10h und 12h an. Bleibt nur die Frage, ob ich vorher oder
nachher nach Göttingen fahre, um meinen Kocher zu kaufen. Ein paar Stunden
hab ich gebraucht, bis ich alle Fehler am Kundengerät in Chemnitz ausgemerzt
hatte. 19uhr aus der Bude raus. Bleiben ein paar Optionen:
Hier ein Hotel suchen und morgen um 10 in Göttingen sein, wenn der Laden auf
macht, siche beeilen und dann nach Eschwege, dann schnell heim, weil ich
eigentlich auf Olli aufpassen muss, da dieser grad ein kaputtes Bein hat,
deshalb nicht zum Spielkreis kann und Jana Nachmittags arbeiten muss.
Jetzt noch schnell nach Erfurt fahren. Dort mit der Schwiegermutter noch
nachträglich auf ihren Geburtstag trinken, weil ich der Einzige war, der
nicht direkt dabei war, dort dann pennen und am nächsten Morgen direkt nach
Eschwege oder Göttingen.
Die erste Variante nur Eschwege und Göttingen vertauscht.
Während ich so überlege, ruft Jana an. Sie muss gar nicht arbeiten am
nächsten Tag. Ich überlege mir, dass ich eigentlich schon zu müde bin, um
weiter zu fahren. Da ich mich am nächsten Tag nun nicht so beeilen muss,
entscheide ich mich dafür, hier in Chemitz ein gescheites Hotel zu nehmen,
was möglichst auch ne Sauna hat, wegen der Rücken- und Knieschmerzen, morgen
dann nach Eschwege, bis ich den Fehler gefunden hab und danach nach Göttingen
und in aller Ruhe durch den Laden bummeln.
Das erste nette Hotel war voll. Das zweite lag etwas außerhalb, aber war sehr
gemütlich, hatte ne Saune und in Fachwerk gehalten. Auf dem Weg dorthin bin
ich noch beim Dönnermann eingekehrt, der sich jedoch als Fidji-Frau
rausstellte, was mich in dieser Gegend nicht weiter verwundert, da die
Nazidichte immer antiproportional zur Türkendichte ist. Wie ich da meinen
Dönner neben dem Ausgeschalteten Fernseher genieße, verändert sich die Anzahl
der anwesenden Hartz-4-Säufer um eins erhöht und der Neuling mit einem
uralten Digital-Sat-Receiver unterm Arm sich zu mir wendet und sagt “iss
erstma fertig”. Ja, was anderes hatte ich auch nicht vor. Trotzdem frag ich
mal aus Höflichkeit, was er denn vor hat. Die Hartz-4-Mannschaft möchte zum
Saufen gern noch etwas Unterhaltung haben, wenn sie denn alle schon den
GEZ-Befreiungsantrag ausgefüllt haben. Nach Beendigung meines Mahls
entscheide ich mich spontan, dem Projekt etwas beizusteuern und versuche nun
mit Letzterschienenem den Receiver anzuschließen. Schnell muss ich allerdings
feststellen, dass hier weder irgend etwas heile ist, noch jemand auch nur
ansatzweise Ahnung, stattdessen aber Recht per Deklaration hat. Wie wir uns
so unterhalten, stellt er auf einmal fest, dass ich kein Einheimischer bin.
Er rät: “Brandenburg? Sachsen-Anhalt?” – “Nee, uss Hess’n!” – “Auch das
noch…” Ich grinse. Ja, da soll ein Ossi nochmal meckern, dass immer Witze
über ihn im Westen gemacht werden. Ich stelle fest, andersrum wird man auch
nicht immer nett behandelt. Ich lasse die Einheimischen mit ihrem Projekt
allein. Nicht wegen der Floskel, sondern mehr wegen des Indianerpruches, der
mir wieder durch den Kopf geht: “Wenn du merkst, dass dein Pferd tot ist,
steig ab!” Ich fahre ins Hotel.
Nette Leute empfangen mich hier. Es liegt, wie versprochen, sehr idyllisch am
Rande eines Dorfes, welches geradenoch zu Chemnitz eingemeindet wurde. Auf
meinen Wunsch wird tatsächlich die Sauna noch aufgeheizt. Dort halte ich mich
die nächste Stunde auf, bevor ich mich zu Ruhe lege. Nachdem ich die Lichter
aus gemacht hab, öffne ich Rollos und Fenster, um am nächsten Morgen die
Sonne zu sehen und die Vöglein zu hören. Ich stelle allerdings jetzt erst
fest, dass draußen Petrus und Thor um die Wette eifern, wer das lauteste und
grellste Unwetter über das Erzgebirge jagen kann.
Am morgen stelle ich fest, dass es ein Fehler war, die Fenster zu öffnen. Das
Hotel ist umgeben von Roggenfeldern in LPG-Größe. Die Allergie gegen des
Roggens Pollen war der Grund für meine Ausmusterung bei der Bundeswehr. Sie
hat entsprechende Stärke. Nachdem ich mir den Eiter aus den Augen gewischt
und meinen Kopf unter kalte Wasser gehalten hab, begebe ich mich zum
Frühstück. Nicht hetzen, der Kunde erwartet mich nicht früh.
Ich bin gerade auf der Autobahn, als mein Handy klingelt. Jana vermeldet,
dass der Motor unseres Bullis einfach während der Fahrt aus geht. Seit Tagen
vernahm auch ich ein Klappern im Leerlauf. Ich hatte es auf lose
Wärmeschutzbleche am Auspuss geschoben. Stellte sich nun als Fehler heraus.
Schade eigentlich, so zwei Tage vorm Urlaub. Ich schicke sie in unsere
Werkstatt des Vertrauens. Völlig zurecht flucht sie darüber, dass ihr
Tagesablauf nun völlig aus den Fugen gerät. Ich komme derweil beim Kunden an.
Der Fehler am Kundengerät erweist sich leider nicht als eindeutig und schnell
und leicht lösbar. Ich suche und suche. Ich hänge gerade mit beiden Armen
tief im Gerät als wieder mein Handy klingelt. Wieder Jana, die mitteilt, dass
sie nicht zur Werkstatt kann, weil der Wagen nun gar nicht mehr anspringt.
Sie vernimmt nur laute Schläge aus dem Motorraum. Innerlich hänge ich meinen
Besuch in Göttingen an den Nagel. Ein wenig auch den Urlaub. Zeit habe ich
jedoch im Moment keine. Der Kunde steht mir im Nacken und will wieder seine
Produktionslinie starten. Ich finde den beschissenen Fehler nicht. Ich muss
Jana abwürgen und sie an den ADAC verweisen. Für solche Fälle haben wir ja
die goldene Familien-Plus-Mitgliedschaft. Nach einer weiteren halben Stunde
glaube ich, den Fehler gefunden zu haben und baue ein Ersatzteil ein. Was
sich leider als sehr schwierig erweist, da das Altteil mit Silikon eingeklebt
ist und die sehr dünnen Käbelchen in sehr kleine Klemmen müssen. Endlich
geschafft. Aber das Problem ist leider nur teilweise gelöst. Also
weitersuchen. Das Handy klingelt. Der ADAC war da. Vermutlich Motorschaden.
Der Urlaub zerplatzt in Tausend kleine Tränentropfen. Nachdem Jana aufgelegt
hat, schießt mir durch den Kopf, dass wir beim letzten vermeintlichen
Motorproblem nicht unsere Werkstatt des Vertrauens aufgesucht hatten, sondern
direkt zu VW sind, die hatten nur was am Steuergerät eingestellt und bei der
Gelegenheit einen der Beiden Zahnriemen samt Spannrollen getauscht, da der
Vorbesitzer nur einen der beiden Riemen hatte tauschen lassen. Ich rufe
nochmal zurück und leite den ADAC und Jana zu VW um. Am Nachmittag finde ich
endlich den Fehler und kann das defekte Teil überbrücken und seine Funktion
softwareseitig nachrüsten. So und jetzt mit Hartgas nach hause, bzw. zu VW.
Ich fahre gerade nach Kassel rein, als Jana wieder anruft. VW hat erst am
Freitag Zeit, nach unserem Motor zu schauen. Damit schwindet die letzte
Chance, dass wir rechtzeitig noch in den Urlaub können. Mal abgesehen davon,
dass ein neuer Motor die Urlaubskasse durchaus überstrapaziert.
Wir fahren alle Mann nach hause. Dort angekommen, teilt uns meine Mutter,
welche im Urlaub auf die Kinder aufpassen sollte, da Jana und ich endlich mal
wieder ein paar Tage zu zweit verbrinen wollten, dass ihre Urlaubsvertretung
sich die Finger gebrochen hat und sie somit nicht in Urlaub kann. Ohne
Babysitter kein Urlaub wie geplant. Ohne Motor kein Urlaub. Ich lasse mich
den Rest des Abends mit Vodka-Red-Bull vollaufen…
Am nächsten morgen beschließe ich mit Jana, dass es kaum noch Chancen gibt,
den Urlaub irgendwie zu retten und ich ihn heute in der Firma annulieren
werde. Also auf dahin. Kaum bin ich dort angekommen, kommt der Kollege rein,
mit dem ich mir die Arbeit teile. Auf seinem Programm steht eine wichtige
China-Reise, die die meisten lieber mir aufgedrückt hätten und er lieber
verhindert hätte. Er trägt eine Feuerwehrhose und einen Gips am rechten Arm.
“Hab mir letzte Nacht beim Einsatz die Finger zerquetscht”. Komisch, dass
mich das nicht mehr wundert. Wenn es da einen Gott gibt, dann will dieser
nicht, dass ich mit Jana wegfahre. Ich weise den Kollegen aber freundlich
darauf hin, dass es ja nicht nötig gewesen wäre, da ich meinen Urlaub bereits
gestrichen hab. Er muss also nicht nach China.
Freitag früh ruft VW an. Ich hätte Gück gehabt. Der Motor sei heile. Die
Spannrolle des Zahnriemens sei gebrochen, die anderen Rollen schon stark
beschädigt. Wer auch immer den letzten Riemen getauscht hat, habe die Rollen
nicht mitgetauscht, was sie ja immer täten. Ich glaube, da was anderes zu
wissen, behalte dieses Ass aber erstmal im Ärmel. Wir können das Fahrzeug
abholen, da sie bereits fertig sind. Das tue ich am Nachmittag. Als ich die
Rechunng bemängeln will, brauche ich erstmal gar nichts zu zahlen. Der nette
Werkstattleiter erklärt mir am nächsten Tag, als ich ihm die alte Rechnung
für den Zahnriemen samt Rollen von vor 6 Monaten vorlege, dass es sich
selbstvereständlich um einen Garantiefall handelt.
Jetzt hab ich ein Auto, das Uraubsgeld noch, aber keinen Urlaub mehr.
Am Samstag fahren wir nach Göttingen, den Kocher kaufen.
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